
Stanislaw Jurjewitsch Markelow (Станислав Юрьевич Маркелов; * 20. Mai 1974 in Moskau; † 19. Januar 2009 ebendort) war ein russischer Jurist.
Stanislaw Markelow kritisierte die „Degradierung des Rechtssystems“ in Russland und gründete die Nichtregierungsorganisation „Institut für die Vorherrschaft des Rechts“. Zudem vertrat er russische Bürger nicht nur vor russischen Gerichten, sondern auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Sich selbst ortete er politisch als Sozialdemokraten in der Tradition von Julius Martow ein und kooperierte in seiner politischen Arbeit mit Angehörigen verschiedener linker Organisationen und Strömungen.
Er ist unter anderem als Rechtsbeistand der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja (ermordet 2006) bekannt geworden. Politkowskaja lobte Markelow als „ersten Anwalt, der in Tschetschenien arbeitet und dort die Rechte der Einwohner schützt“. Am 16. April 2004 wurde der Menschenrechtsanwalt in der Moskauer U-Bahn zusammengeschlagen. Amnesty International brachte diesen Anschlag in Verbindung mit Markelows Anwaltstätigkeit für Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und intervenierte am 29. April 2004 mit einer Eilaktion für Stanislaw Markelow. Bei dem Überfall waren Unterlagen zu Fällen gestohlen worden, an denen Markelow arbeitete. Dazu gehörten Dokumente zum Fall Sergej Lapin, einem Angehörigen der polizeilichen Sondereinsatztruppe OMON, der wegen der Folterung und dem Verschwindenlassen eines tschetschenischen Studenten angeklagt worden war. Markelow vertrat in diesem Verfahren die Angehörigen des Opfers. Fünf Jahre nach dem Überfall, am 19. Januar 2009, wurde er in Moskau auf offener Straße erschossen. Bei dem Anschlag kam auch Anastassija Baburowa, eine Journalistin der Nowaja Gaseta, ums Leben.
Laut Medienberichten kam Markelow von einer Pressekonferenz, auf der er angekündigt hatte, gegen die vorzeitige Haftentlassung des russischen Offiziers Oberst Juri Budanow vorzugehen, der wegen Mordes an einer Tschetschenin verurteilt wurde. Der Fall Budanow, berichtete die Tagesschau, gelte „bei Menschenrechtlern als Test dafür, wie die russischen Behörden mit dem Vorwurf von Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien umgehen“. Die Nowaja Gaseta hatte erst am Vortag unter Rückgriff auf Recherchen von Anna Politkowskaja aus dem Jahr 2004 über den Prozess gegen Budanow berichtet.
Zwar hat Markelow im Zusammenhang mit dem Fall Budanow Morddrohungen erhalten, wie die Berliner Zeitung berichtet, war er aber auch als Anwalt des Chefredakteurs der Chimkinskaja prawda, Michail Beketow, gefährdet. Unbekannte hatten Beketow Mitte November 2008 in Chimki so schwer verletzt, dass er seitdem im Koma lag. Auch bei dem Anschlag auf Beketow geht man von einem politischen Hintergrund aus.
In Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, fand am 20. Januar 2009 eine Demonstration gegen das Attentat auf Stanislaw Markelow statt. Auf Plakaten wurde die Forderung gestellt: „Wir verlangen Gerechtigkeit!“ In Moskau protestierten 300 überwiegend jugendliche „Anarchisten“ mit Rufen wie: „Faschisten morden – der Staat deckt sie“.
Human Rights Watch und Amnesty International fordern eine unabhängige Untersuchung des Mordanschlags.
QUELLE: Wikipedia 19.08.2009